Zurück zum Finanzlexikon

Niedrigzinspolitik

Die Europäische Zentralbank betreibt derzeit eine Niedrigzinspolitik, die weitreichende Folgen für die heimische Wirtschaft und vor allem auch die privaten Anleger hat. Durch einen niedrigen EZB-Leitzins sollen Anreize geschaffen werden, die Wirtschaftswachstum und Investitionen stärken.

  • Gründe für die Niedrigzinspolitik

    Die Gründe für die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank gehen auf die Finanzkrise 2008 zurück, die im europäischen Währungsraum ab 2010 nahtlos in die Staatsschuldenkrise überging. Die Verschuldungen der Staaten Griechenland, Spanien, Portugal und Irland stiegen rasant an und ihre Möglichkeiten der Kreditbeschaffung gingen zurück.

    Verschiedene Rettungsschirme wurden ins Leben gerufen, die die überschuldeten Staaten mit Krediten und Bürgschaften versorgen sollten, damit diese zahlungsfähig blieben. Besonders Griechenland findet nach wie vor regelmäßig in der Presse Erwähnung, da der Mittelmeerstaat immer noch große Probleme bei der Bedienung der fälligen Kreditraten hat.

    Um die Staaten des Euro-Raums zu entlasten und die lokalen Wirtschaftssysteme zu stimulieren, startete die EZB im März 2015 mehrere umfassende Anleihenkaufprogramme. Dies führte in der Konsequenz dazu, dass der Leitzins schrittweise auf nun mittlerweile 0 Prozent sank.


    Zurück zur Seitenübersicht

  • Folgen der Niedrigzinspolitik für Sparer und Wirtschaft

    Der Hauptrefinanzierungszins (Leitzins) der EZB stellt die Orientierungsmarke für Zinsen heimischer Banken dar. Ist dieser besonders niedrig, bieten heimische Banken nur geringe Zinsen auf Spareinlagen an. Langfristiges Sparen erscheint dann als unattraktiv und als Sparer sollte man sich Alternativen überlegen, um sein Kapital mittelfristig nicht durch Inflation zu verlieren.

    Als eine Folge der niedrigen Zinsen in Deutschland oder Österreich werden weniger Geldanlagen im Inland getätigt. Sparer transferieren ihr Kapital bevorzugt ins Ausland, investieren in Sachwerte oder an der Börse, da sich dort noch bessere Konditionen ergeben. Dadurch sinkt auch die Nachfrage nach dem Euro und ein sinkender Wechselkurs ist die Folge.

    Daneben hat ein niedriges allgemeines Zinsniveau eine günstige Kapitalbeschaffung zur Folge. Für Privatleute und Unternehmen ist es derzeit besonders günstig, sich zu verschulden. Investitionsobjekte rechnen sich bei einem niedrigen Kapitalmarktzins, da in der Zukunft liegende Zinszahlungen einen niedrigeren Barwert besitzen. Für Arbeitnehmer mit einem sicheren Job ist es bei niedrigen Zinsen attraktiv Eigentum zu erwerben.


    Zurück zur Seitenübersicht